Trailrunning im Grunewald

Grunewald Havelstrand

Der Grunewald ist in den letzten Jahren zu einer Art zweitem (oder drittem) Zuhause für mich geworden. Während langen Spaziergängen, während schnellen Radeinheiten und perfekten Trailläufen. Seit ich laufe, laufe ich Berge. Richtig bewusst und mit zunehmender Leidenschaft aber erst, seit ich 2014 nach Friedrichshafen am Bodensee gezogen bin und durch die Gegebenheiten vor Ort, außer einen dauerüberfüllten Strandpromenade kaum eine Alternative hatte. Aber auch wenn ich zwischendurch zurück in die Heimat im Schwarzwald zurückkam, zog es mich von da an immer weiter nach oben und immer tiefer ins nahe Gebirge hinein.

Mein zweiter Wohnort in Karlruhe gab hinsichtlich Alpiner Traumpfade leider kaum etwas her, ich hatte regelmäßig Sehnsucht nach dem heimischen Schwarzwald und mit ähnlichen Gegebenheiten hatte ich auch gerechnet, als ich im Dezember 2018 die ersten Laufrunden in meiner neuen Wahlheimat Berlin drehte. Wie immer, wenn ich an neuen Orten laufe, suche ich auf bekannten Karten im Net nach möglichst großen grünen Flächen, vesuchte mir grob den Weg einzuprägen un lies mich dann treiben.

Ich weiß nicht mehr, wie genau die Route verlief, die mich zum ersten Mal durch den Grunewald führte, ich weiß nur noch, dass ich an diesem Samstag im Januar nach über zwanzig Kilometern durchgefroren und überglücklich nach Hause kam und wusste, dass dieses unschöne Gefühl von Sehnsucht nach Bergen hier kein Problem werden würde.

Mittlerweile, nach vielen Läufen durch die Stadt, nach vielen hundert Kilometern durch den Grunewald, ob zu Fuß, mit dem Rad oder auf Inline Skates, lasse ich mich nicht mehr treiben, sondern kenne die Strecken, die das Maximum an Höhenmetern, an technischen Anforderungen oder an atemberaubenden Aussichten herausholen.

Wer nicht in unmittelbare Nähe wohnt, startet am besten an den S-Bahn-Stationen Grundewald oder Heerstraße. Wer direkt am Grunewald aussteigt, hat die Wahl zwischen einer breiten, alphaltierten Fahrrad- und Wanderstraße, die sich über 6 Kilometer bis zum Nikolassee ersteckt und dann in den Kronprinzessinnen Weg Richtung Wannsee mündet. Da die Strecke gerade, relativ flach und durchgehend asphaltiert und trotzdem praktisch PKW-frei ist, bietet sie natürlich optimale Bedingungen für Sprintabschnitte, Intervalle und schnelle Tempoläufe, gibt aber weder landschaftlich, noch hinsichtlich technischer Anforderungen besonders viel her.

Wer dagegen Lust auf Naturerlebnisse und Waldbaden hat, steigt ebenfalls am Grunewald aus und biegt direkt auf dem S-Bahn-Vorplatz auf einen der abgehenden Waldwege ab. Der Grunewald ist in dieser Gegend relativ flach, sehr hell, weitläufig und meist sehr gut besucht, was vor allem Läufern die sich alleine in tiefen Wäldern unwohl fühlen, entgegenkommt. Der Großteil der Forstwege ist gut befestigt, bei entsprechenden Temperaturen verwandeln sich einige Abschnitte allerdings in tiefe, rutschige und mühsame Sandpisten.

Authentisches Trailrunning bietet der Grunewald vor allem in der Region um den S-Bahnhof Heerstraße. Für Anfänger, oder lockere Entspannungsläufe empfielt sich, die Teufelsseestraße entlang Richtung Grunewald zu nehmen, nach Belieben auf eine der Abzweigungen auf der linken Straßenseite Gelände abzubiegen und dann auf Single-Trails und Forststraßen parallel zur Teufelsseestraße in den Wald zu laufen. Nach wenigen KIlometern bietet sich die Möglichkeit, fast permanent am Havelufer entlang zu rennen, zahlreiche Aussichten auf Segelboote und die malerische Hafenidylle zu genießen. Die Steigungswerte dieser Abschnitte sind durchaus akzeptabel und können ja nachdem, welchen Trail man wählt individuell angepasst werden. Von dieser Region abraten würde ich allerdings Läufern, die Probleme mit Hunden auf der Strecke haben. Der Weg führt an mehreren Hundestränden vorbei, die zwar aktiv ausgespart werden können, trotzdem ist das Hundeaufkommen hier natürlich insgesamt sehr hoch.

Die vierte, und meiner Meinung nach schönste Option, die der Grunewald verirrten Bergläufen und Süddeutschen mit akuten Sehsuchtsanfällen bietet, sind die Mountainbiketrails, die sich nahezu über den gesamten Wald erstrecken und sowohl was Qualität der Untergründe, als auch Steigungswerte angeht durchaus mit Läufen im Schwarzwald, Algäu und Taunus mithalten können. Los geht`s ebenfalls an der S-Bahn-Station Heerstraße. Bereits nach wenigen hundert Metern auf der Teufelsseestraße Richtung Grunewald ergeben sich auf der rechten Straßenseite zahlreiche Möglichkeiten auf teilweise sehr steilen Wegen fast schon in den Wald hineinzuklettern. Ist man erstmal oben und auf einem der Trails angekommen, lässt man sich am besten treiben und findet selbst seinen Weg auf den zahlreichen Single-Trails durch dichten und meist menschenleeren Laubwald. Wen die Herausforderung reizt, sollte aber neben geeignetem Schuhwerk auf ein gewisses Maß an Trail- und Bergerfahrung und vor allem ausreichende Fertigkeiten in den Beinen und Füßen mitbringen. Streckenweise sind die Untergründe hier je anch Wetterlage geprägt von großen und kleinen Wurzeln, ausgetrockneten Flussbetten, Geröll, rutschigen Matschpfützen und unbefestigtem Sandboden. Zeitweise kann die Strecke daher sehr stressig werden, für Läufer mit entsprechenden Erfahrungen, Lust auf Herausforderung und der erforderlichen Konzentration aber ein wahrer Traum und der ideale Spielplatz in unmittelbarer Nähe der Großstadt.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s