Über früh aufstehen und den (Un)Sinn einer Morgenroutine

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Ich bin Frühaufsteherin. Ganz natürlicherweise und so weit ich mich erinnern kann auch schon immer. Ich gehe im Normalfall zu einer ziemlich moderaten Uhrzeit zu Bett, was bei mir zwischen 22 und 23 Uhr bedeutet, und stehe am Morgen zwischen sechs und halb acht wieder auf. Jeden Tag. Wenn keine besonderen abendlichen Aktivitäten geplant sind, auch am Wochenende und im Urlaub.

Vielleicht ist es deshalb etwas gemein, wenn ich einen Artikel darüber schreibe, wie frühes Aufstehen das Leben verbessern kann.

Und trotzdem tue ich es, denn ich bin der festen Überzeugung, dass Frühaufsteher es leichter im Leben haben. Oft beobachte ich bei Anderen das Phänomen, sich abends trotz Müdigkeit wach zu halten, um fernzusehen, noch das letzte Buchkapitel zu Ende zu lesen oder wahllos durchs Netz zu surfen. Am nächsten Morgen wird dann entweder ausgeschlafen und sich darüber geärgert, dass beim Aufstehen ihnen schon der halbe Tag entgangen ist, oder trotzdem früh aufgestanden, mit Kaffe gedopt und die ersten Stunden wie ein Zombie durch den Tag gewankt.

Und häufig, wenn ich solche Verhaltensweisen beobachte, frage ich mich, wafür diese Menschen es in Kauf nehmen, fast fünfzig Prozent ihres Lebens zu vergeuden. Sind die Stunden, die sie abends todmüde mit stumpfem Konsumieren verbringen tatsächlich wertvoller als die, die sie am nächsten Morgen hätten, wenn sie früh schlafen würden und am nächsten Tag wach und gut gelaunt aus dem Bett springen könnten? Sind es die paar Stunden abends auf dem Sofa wirklich wert, die ersten Stunden des nächsten Tages in einem tranceartigen Zustand zu verbringen, mit halber Konzentration zu arbeiten und das Leben wie hinter einem Schleier aus Müdigkeit zu erleben?

Ich habe schon während dem Studium und auch danach sehr lange in verschiedenen Schichten gearbeitet. Zeitweise verließ ich als kurz vor um viertel nach fünf das Haus, oder kam erst gegen elf wieder Zuhause an. Ich weiß, dass solche, und auch noch viel extremere Arbeitszeiten für sehr viele Menschen Alltag sind und ich kann nachvollziehen, dass es sehr verführerisch sein kann, Spätschichten dazu zu nutzen, den Vormittag im Bett zu verbringen. Aber grade weil ich damals bei der Arbeit und im Studium konzentriert und aufmerksam sein musste, bin ich zu dieser Zeit noch konsequenter zum Frühaufsteher mutiert.

„Was machst du denn so früh am Morgen?“

Das werde ich ständig gefragt, wenn Freunde sehen, dass ich am Wochenende oder einem freien Tag schon um sechs auf den Beinen bin.

„Was grade ansteht.“

Das antworte ich meistens und im Grunde stimmt das auch. Wenn man Erfolgs- und Businesscoaches glaubt, scheint es unumgänglich, den Tag mit einer festen, immergleichen Morgenroutine zu starten, wenn man ein strukturiertes und erfolgreiches Leben anstrebt. Da klingelt der Wecker jeden Tag exakt zur gleichen Uhrzeit. Nach dem Aufstehen wird Wasser getrunken, bei offenem Fenster frische Luft eingeatmet, meditiert und Yoga gemacht, ein Liter grüner Smoothie getrunken und dann vier Stunden fokussiert gearbeitet.

Meiner Meinung nach ist das allerdings völliger Nonsense. Natürlich habe ich eine Morgenroutine. Nur ist die jeden Tag anders.

Das fängt schon mit dem Aufwachen an. Ich besitze einen Wecker. An neunzig Prozent der Tage ist allerdings gar nicht gestellt. Ich weiß, dass ich mindestens zwei bis drei Stunden, bevor ich aus dem Haus muss aufstehen möchte (heute verlasse ich das Haus frühestens um neun Uhr dreißig) und, je nach aktuelle Workload, anderen Belastungen und Jahreszeit zwischen sieben und neun Stunden Schlaf brauche, gehe dementsprechend ins Bett und werde morgens ausgeschlafen und ganz ohne künstliche Aufwachhilfen wach. Das bedeutet für mich nicht nur, dass ich jeden Morgen ganz stressfrei und ohne Zwang aufstehen kann, sondern vor allem, dass ich, wenn ich aufstehe, auch tatsächlich psychisch und physisch wach und ausgeschlafen bin. Wer dieses Gefühl kennt und es über eine längere Zeit erlebt, wird merken, was für ein wahnsinniger Unterschied in Sachen Lebensqualität entsteht, wenn man sich schon in der ersten Minute des Tages voll und ganz anwesend fühlt.

 

Nachdem ich alle Fenster in meinem Schlafzimmer aufgerissen habe, führt mein erster Weg meistens in die Küche. Ja nach Durst und Lust gibt es Tee, Kaffee, Wasser oder im Winter auch mal eine große Tasse Kakao mit Mandelmilch. Ich trinke Kaffee, nicht jeden Morgen und auch nicht jeden Tag, manchmal entkoffeiniert, mal klassisch oder auch mal aus Malz oder Dinkel, nicht um wach zu sein, sondern weil ich den Geschmack liebe und keinen Grund habe, darauf zu verzichten.

Je nachdem, was an dem Tag ansteht, stelle ich währenddessen schon eine Waschmaschine an oder bringe ein bisschen übriges Chaos von Vorabend in Ordnung und setzte mich dann mit meinem Heißgetränk direkt an den Schreibtisch. Häufig nutze ich die Ruhe der ersten Stunden des Tages, um meine Woche zu planen, Briefe oder Mails zu beantworten, oder oder. Was ansteht eben.

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Frühstück gibt meistens erst zwei Stunden nachdem ich aufgestanden bin, manchmal auch noch später, aber auch mal direkt nach Aufwachen. Je nachdem, wann ich Hunger bekomme, oder das Bedürfnis, etwas zu essen. Im Sommer liebe ich tatsächlich große Smoothiebowls, Smoothies oder Chiapudding, das ganze Jahr über Müsli, Haferporrige oder Griesbrei (meine liebsten Kombinationen dafür gibt`s übrigens hier.

Währenddessen ist Zeit für mein aktuelles Buch, die Teile der Zeitung, die mich interessieren oder neue Blogbeiträge auf meinen liebsten Seiten.

Nach dem Frühstück beginnt dann meistens der aktive Teil meines Morgens und ich erledige alles, was ich sonst irgendwie zwischendurch in meinem Tag unterbringen müsste. Wäsche aufhängen, die Pflanzen mit Wasser versorgen, ein bisschen umtopfen oder neues Saatgut aussähen, andere Haushaltsaktivitäten, Yoga oder eine kleine Stabieinheit stehen jetzt auf dem Plan.

Meine „Morgenroutine“ ist, je nachdem, wann und wofür ich aus dem Haus gehe, zwischen acht und zehn Uhr beendet, ich habe dann schon alle wichtigen To-Do`s, die mein privates Leben von mir verlangt, erledigt, habe schon einige Zeit in mich selbst investiert und kann entspannt in den Arbeitstag starten, auf eine Laufrunde aufbrechen, in die Stadt fahren oder Zeit mit Freunden und Familie verbringen.

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