HOW TO … become an early bird

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„Das könnte ich nie“

Wer sich viel bewegt, ambitioniert läuft oder regelmäßig ins Fitnessstudio geht hat diesen Satz mit Sicherheit schon mehr als einmal gehört.

Wer auch noch früh morgens trainiert, schon bei Studioöffnung vor der Tür des Fitnesscenters wartet, dann läuft, wenn Andere noch im Bett liegen oder die Frühschwimmerzeiten im Hallenbad nutzt, hört diesen Satz wahrscheinlich mehrfach die Woche.

Und auch wenn viele Kommilitonen die Augen verdrehen und Arbeitskollegen ungläubig die Köpfe schütteln, insgeheim beneiden die Meisten diese Menschen, die morgens frisch und gut gelaunt im Büro erscheinen, weil ihr Tempolauf am Morgen einfach super war, die von der ersten Sekunde an mit hundert Prozent bei der Arbeit sind, weil ihr Kopf schon vom kalten Wasser im Swimmingpool aufgeweckt wurde und die sich nach der Arbeit ganz entspannt mit den Freunden zum Filmabend verabreden, weil sie wissen, was sie schon in der Früh geschafft haben.

Die Vorteile davon, sich abends ein bisschen früher Richtung Bett zu bewegen und die zusätzlichen Stunden morgen effektiv zu nutzen, habe ich schon in dem Beitrag Über früh aufstehen und den (Un)Sinn einer Morgenroutine geschrieben. Hier soll es darum gehen, warum Bewegung die schönste Art ist, in den Tag zu starten.

Gleich vorab: Natürlich gibt es verschiedene Typen. Ich bin mir sicher, dass es durchaus auch Menschen gibt, die am Abend aktiver, produktiver, konzentrierter sind und denen es immer schwer fallen wird, früh morgens in die Gänge zu kommen. Allerdings bin ich mir sicher, dass ein großer Teil der Menschheit early birds sind, die sich aber über Jahre hinweg ein anderes Verhalten angewöhnt haben. Wer Kinder hat, oder sich noch sehr lebhaft an die eigene Kindheit erinnert, weiß, dass es für Kinder das Natürlichste der Welt ist, schon früh morgens aktiv und gut gelaunt in den Tag zu starten und, seien wir mal ehrlich, in der entsprechenden Situation haben meist auch die Mütter und Väter plötzlich kein Problem damit, sich anzupassen.

Tatsächlich bin ich schon immer gerne morgens gelaufen, auch wenn ich das während der Schulzeit nur in den Ferien und an Wochenenden ausleben konnte. So richtig los ging mein Darsein als early bird dann erst während dem Studium, als ich in Friedrichshafen im Wohnheim eine Gruppe Studenten kennengelernt habe, die regelmäßig vor der Uni zum Laufen ging. Erst ging es nur darum, neue Leute kennenzulernen, denn ich war ganz alleine in die Stadt gezogen und habe, statt wie alle Anderen zur Uni zu gehen, in einer Filiale meines Ausbildungsbetriebes gearbeitet.

Diese ersten drei Monate als early bird waren zum einen wahrscheinlich das Härteste, was ich in meinem Läuferleben bis dahin erlebt hatte.

Denn die Uni für meine Mitläufer begann um acht Uhr in der Früh, am Bodensee hängt morgens traditionell der Nebel so dicht über dem Boden, dass man seine Hand kaum erkennt und als ich zu der Laufgruppe kam, war schon Mitte Oktober. Trotzdem wurde drei Mal in der Woche um sechs Uhr eine Stunde gelaufen, dann geduscht und anschließend mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Und auch wenn es manchmal wirklich verlockend gewesen wäre, im Bett liegen zu bleiben, hat mich diese Erfahrung endgültig zum Morgenläufer gemacht.

Argument Nummer eins für`s Morgensporteln ist für mich definitiv die Atmosphäre. Ich haben sicher 90 Prozent meiner unvergesslichen Laufmomente deutlich vor neun Uhr morgens erlebt. Je nachdem, wo man läuft, sind früh morgens, bis auf wenige Hundehalter meist kaum Menschen unterwegs. Läuft man im Wald oder auf Feldwegen, kann man stattdessen auf Feldhasen, Wildkaninchen, Rehe, Füchse oder auch mal einem Wildschwein begegnen. Ich durfte bei meinen Läufen in den Weinbergen am Bodensee, im Schwarzwald und im Grunewald tatsächlich schon ettliche Wildtiere beobachten, negative Zusammenkünfte gab es dabei aber noch nie. Aber auch ohne tierische Begegnungen hat die Natur in den frühen Morgenstunden einen ganz besonderen Reiz. Ganz egal, ob im Frühjahr erst während des Laufs die Sonne aufgeht und die Welt in goldenes Licht taucht, man im Sommer vom Konzert der Insekten und Vögel in den Bäumen begleitet wird, sich im Herbst auf einem Berg plötzlich der Nebel lichtet und den Blick auf die umliegenden Dörfer frei gibt, oder man im Winter als erster Mensch des Tages den, über Nacht frisch gefallenen Schnee betritt.

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Argument Nummer zwei, das vor allem für Anfänger ein riesiger Vorteil gegenüber der Sporteinheit nach Feierabend sein kann, ist die Motivation. Natürlich liebe ich es zu laufen, Rad zu fahren und zu schwimmen und manchmal sogar das Kraft- und Stabitraining. Aber seien wir ehrlich, es ist immer fordernd, oft anstrengend und häufig hat man, wenn die Einheit dann ansteht ganz plötzlich doch nicht mehr so viel Lust wie zu dem Zeitpunkt, an dem man sie in den Trainingsplan eingetragen hat. Grade in solchen Momenten gibt es fast nicht besseres, als direkt aus dem Bett in die Sportschuhe zu fallen, bevor der Kopf registriert, was man eigentlich vorhat und gar nicht auf die Idee kommt, Einwände zu erheben. Denn wenn man erst mal draußen, an der Schwimmhalle oder im Studio ist, kommt die Lust ja dann doch ganz schnell.

Wer andererseits den ganzen Tag Zeit hat, sich Ausreden zu überlegen, darüber nachzudenken, was man nach Feierabend anstelle einer Laufrunde unternehmen könnte und dann nach einem langen Arbeitstag müde nach Hause kommt, hat es natürlich deutlich schwerer, den eigenen Kopf vom geplanten Training zu überzeugen.

Das dritte und letzte Argument, das zugleich auch der Grund ist, aus dem wahrscheinlich die meisten Sportler regelmäßig trainieren.

Das gute Gefühl danach.

Diesen Stolz, sich überwunden, vielleicht auch stellenweise durchgebissen zu haben, die Erschöpfung direkt danach, die später in ein Gefühl, Bäume ausreißen zu können umschlägt, kennt hoffentlich jeder, der regelmäßg Sport treibt. Natürlich ist dieses Gefühl für Meschen, die ihre Einheit am Abend absolvieren ebenso da wie für Early birds. Der Unterschied ist, dass Morgensportler natürlich deutlich länger davon zehren. Wer nach dem Sport noch den ganzen Tag vor sich hat, den begleitet die Euphorie zur Arbeit und durch den Feierabend.

Organisation ist alles.

Das gilt für early birds genauso wie für Jede und Jeden anderen, der versucht, mehr als üblich in seinem Alltag unter zu bekommen. Die Sache mit dem Früh aufstehen wurde ja schon geklärt, hier geht es darum, auch schon am frühen Morgen gut durch die Trainingseinheit zu kommen. Grade für die Energieversorgung ist da schon ein bisschen Planung nötig.

Wenn ich schon am frühen Morgen laufen möchte, beginnt mein Tag mit zwei großen Gläsern Wasser mit einer Prise Salz, um die Flüssigkeitsdefizite der Nacht so schnell und effektiv wie möglich aufzufüllen. Anschließend mache ich mich lauffertig und bereite ein kleines Frühstück zu. Häufig besteht das aus einem kleinen Shake aus Haferdrink und einer Banane, etwas Sojajoghurt mit Obst, einer Scheibe Bananenbrot oder einer Hand voller Rosinen oder Trockenaprikosen. Steht eine längere Radausfahrt oder ein langer Lauf auf dem Plan, packe ich mir außerdem tendenziell etwas mehr als Wegzehrung ein, weil die Energiespeicher dann meistens eben doch nicht ganz so gut gefüllt sind wie am Mittag oder Abend. Auch da liebe ich Trockenobst, selbst gemachte Energiebällchen oder auch mal einen selbst gebackenen Müsliriegel.

Auf bei der Wahl des Sportoutfits sollte man ein bisschen auf die frühe Stunde achten und sich daran erinnern, dass es in den nächsten Stunden vorraussichtlich recht zügig wärmer werden wird. Ich gehe morgens also meist ziemlich fröstelnd vor die Türe und habe es noch nie bereut. Wer, grade im Herbst und Winter Angst vor einer Erkältung hat, tut gut daran, ein oder zwei Buff-Tücher für Hals und Ohren einzupacken, die später bei Bedarf auch ganz einfach am Handgelenk platziert werden können und auch unter dem Radhelm vor kaltem Zug schützen. Was auf dem Rad die Fahrradlampen übernehmen, sollte man beim Laufen natürlich durch eine Stirnlampe ersetzten. Auch wenn es nicht richtig dunkel ist, macht eine Lampe Sinn, um im Nebel von Radfahrern, anderen Läufern, Roller- und Autofahrern gesehen zu werden. Ich habe eine klassische Stirnlampe, die mit einem Band um den Kopf getragen wird, besonders angenehm finde ich aber meine Leuchtkappe, bei der vorne und hinten eine weiße/ bzw. eine rote Leuchte in eine dünne Laufmütze eingelassen ist. An sehr kalten Tagen, trage ich darunter noch ein Bufftuch, meist ist die Kappe aber völlig ausreichend. Zum Waschen können die Lampen einfach aus der Mütze gedrückt, und diese in die Waschmaschine gegeben werden.

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Auch wenn ich mittlerweile selbst meine Tempoläufe und schnelle 20er am frühen Morgen erledige, achte ich beim sporteln in der Früh noch genauer als sonst darauf, mich ordentlich aufzuwärmen und die Körperteile auf die Belastung vorzubereiten. Radausfahrten starten also ganz gemütlich, vor dem Lauf werden ein paar Minuten Lauf-ABC-Übungen eingebaut und vor der Schwimmeinheit wird sich noch am Beckenrand gelockert. Wer ausreichend Zeit hat, schiebt auch nach dem Sport noch eine kleine Runde Dehnen ein, wobei ich persönlich dem Aufwärmen davor grade am Morgen deutlich mehr Bedeutung beimesse.

Aber grade zu Beginn einer Early-Bird-Karriere ist es völlig normal, bei den Morgenläufen ein wenig Geschwindigkeit einzubüßen und sich etwas schwerer zu fühlen als gewohnt. Wie immer, kommt alles zu dem, der warten kann. Und vor allem zu dem, der dran bleibt.

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