Mein Sommer in Berlin

 

 

Sandalen

Mein erster Sommer 2018 in Berlin war vor allem eines: sehr sehr heiß.

Wenn ich Freunden und Familie im letzten Herbst erzählte, dass ich Südddeutschland verlassen und nach Berlin ziehen würde, wurde ich von allen Seiten gewarnt. Vor dem Kältetod im Winter und zwei warmen Tagen im August, die ein Süddeutscher wohl kaum als Sommer bezeichnen würde.

Ich zog trotzdem Richtung Norden und wurde belohnt. Die Wintermonate waren zwar teilweise wirklich ganz schön frostig, der Sommer 2018 dafür, wie wahrscheinlich in ganz Mitteleuropa, absolut unschlagbar.

Tatsächlich hatte ich nach den Wintermonaten ein wenig Sorge, denn die Kälte in Berlin, die mit kaltem Wind und teilweise -12 Grad in alle Löcher kriecht und fast bewegungsunfähig macht, ist doch etwas ganz anderes, als die milde, schneebringende Kälte, die ich aus dem Schwarzwald gewohnt bin.

Thema dieses Beitrags soll allerdings der absolut fantastische, teilweise vielleicht etwas anstrengende Sommer in der Hauptstadt sein. Und auch dabei natürlich auch nicht nur das Wetter.

Im Juni, noch bevor der Sommer so richtig begonnen hatte, ging es für mich aber erst mal wieder raus aus der Stadt. Nach Hause in den Schwarzwald, wo ich für zwei Wochen die Vorzüge von Landleben, Baggerseen, den Schwarzwald und kurze Wege, die zu Fuß oder mit dem Rad erledigt werden können, genießen konnte.

Sommer 2

Wie schnell man sich an Annehmlichkeiten gewöhnt und wie sehr man sie vermisst, wenn sie plötzlich wegfallen, wurde mir dann recht schnell bewusst, als ich wieder zurück in die Großstadt kam.

Sommer in der Großstadt ist anders.

Das weiß wahrscheinlich jeder, der den Konstrast zwischen Stadt und Land erlebt hat und obwohl ich in Karlsruhe schon einige Stadtsommer erlebt habe, bin ich jedes JAhr auf`s Neue überfordert. Wo man sich in der Natur in den schattigen Wald, oder an diverse Baggerseen flüchten kann, bieten in der Stadt vor allem Arkaden und Einkaufszentren Schutz vor der Hitze, wobei ich es auch nicht so richtig attraktiv finde, den Sommer in klimatisierten Gebäuden ohne Tageslicht zu verbringen. Grade in Berlin, gibt es alternativ auch Wannsee, Spree, Havel und Schwimmbäder, wobei ich schnell feststellen musste, dass die verfügbaren Badestellen vor allem an Wochenenden einfach viel zu spärlich sind, für die Millionen Menschen, versuchen der Hitze zu entkommen.

Nicht nur deshalb habe ich im Sommer sehr viel meiner freien Zeit im deutlich menschenleereren Brandenburg, im Grunewald und beim Lesen in Parks und auf den zahlreichen und wunderschönen Friedhöfen verbracht. Wer auf etwas morbides Sightseeing steht, sollte unbedingt einen Auflug zum Friedhof Wilmersdorf, zum Luisen Friedhof in Charlottenburg, zum St. Hedwig Friedhof in Reinikendorf oder zum Invalidenfriedhof in Mitte zu machen.

Friedhof 2

Aber natürlich hat die Stadt auch ihre Vorteile. Öffentliche Verkehrmittel toll. Vor allem, wenn man, wie in Berlin sehr häufig sehr weite Distanzen überbrücken muss, sind sie natürlich die bessere Alternative zu Autofahrten auf verstopften Straßen und Stunden im Stau.

Leider teilt man sich die Berliner Bahnen und Busse grade im Sommer nicht nur mit den Einwohnern, sondern vor allem mit Unmengen an Touristen, was natürlich verständlich, für die vorhandene Infrastruktur aber leider viel zu viel des Guten ist. Ich möchte die Stunden nicht zählen, die ich bei technischen Störungen, Ausfällen und Überlastungen in stickigen Bahnen oder an Bahnstationen in der brühtenden Sonne verbracht habe.

So nervig die Menschenmassen in der Stadt aber auch manchmal sind, so toll sind die Möglichkeiten, die durch sie geboten werden. Während auf dem Land an Sommerwochenenden oft die Wahl zwischen See, einem Tag mit Freunden im Garten, Waldspaziergängen oder einem Ausflug in die ereignisreicheren Städte in der Umgebung bleibt, steht man in Berlin oft genug vor der Entscheidung zwischen ettlichen Festivals, Flohmärkten, Sportveranstaltungen, Messen, Konzerten und Festen.

Los ging es mit dem Velothon am 13. Mai, in den ich bei einem sonntäglichen Lauf durch den Tiergarten eher zufällig hineinstolperte. Nach meiner großen Runde bekam ich dann grade noch die letzten Radler bei der Zieleinfahrt zu sehen und konnte mit der wohlverdiehnten Post-Running-Bionade die Siegerehrung genießen.

Ebenso ungeplant, aber fast noch schöner war die AFD Demo kurz darauf am 25. Mai, die ebenfalls im Tiergarten statt fand und, ganz anders als ähnliche Veranstaltungen, an denen ich in Karlsruhe teilgenommen habe, zu einer riesigen Party ausartete. Häufig muss man sich bei derartigen Aktionen ja mit Gegenbewegungen, (alkoholbedingten) Aggression, Vandalismus und Gewalt auseinanandersetzten, was meist von der Polizei beendet werden muss. Deshalb hatte ich mich erst gegen eine Teilnahme an der Demo entschieden, bin dann am Nachmittag aber doch noch spontan Richtung Mitte gefahren und habe neben Live-Musik, bunten Demonstrationszügen und friedlichem Aktivismus viele, gut gelaunte Menschen angetroffen, die gemeinsam zu Akzeptanz und Toleranz einstanden.

Nach meiner Rückkehr aus der Heimat stand auch schon das nächste, und für mich sehnlichst herbeigesehnten Event vor der Tür. Vom 6. bis zum 12. August fanden in Berlin die Leichtathletik- Europameisterschaften im Olympiastadion statt. Weil ich tatsächlich nur wenige Straßen vom Stadion entfernt wohne, konnte ich die Veranstaltung auch dann hautnah miterleben, wenn ich mal nicht selbst im Stadion war.

Die dazugehörige Party auf dem Breitscheidplatz und der Marathon, der praktisch an meiner Haustür vorbeilief machten das Erlebnis perfekt. Diese sieben, zugegebenerweise mörderisch heißen Tage voller Sport, Mitfiebern und Feiern waren definitiv mein persönliches Highlight des Sommers, dem am letzten Tag von der fantastischen Gesa Krause mit einem Lauf, bei dem das ganze Stadion den Atem anhielt, natürlich noch die Krone aufgesetzt wurde.

Ende August war die Hitzewelle dann leider auch schon wieder vorbei und passend zum ersten kühleren Wochenende startete auf dem Alexanderplatz das jährliche vegane Sommerfest. Drei Tage gab es für mich sehr viel gutes Essen, fantastisches Eis, einen superinteressanten Zero-Waste-Workshop, Vorträge und sehr gute Livemusik.

Zu den vielen Möglichkeiten, die man in der Hauptstadt hat, war eine der schönsten Erkenntnisse die gute Laune und friedliche Feierkultur, die die Menschen hier leben.

IMG_20180826_192043_300

Gerade durch die, eher gewöhnungsbedürftigen Erfahrungen mit der Berliner Mentalität, die ich zuvor gemacht habe, war die durchgehend gute Stimmung und Freundlichkeit bei diversten Aktionen eine super positive Überraschung für mich. Ich kenne Veranstaltungen mit so positiver Atmosphäre zwar schon aus Freiburg und Friedrichshafen, habe an meinem Studienort Karlsruhe aber leider oft ganz gegenteilige Erfahrungen gemacht und mich am Ende von Großveranstaltungen eher ferngehalten. Von Berlin hätte ich, vor allem aufgrund der Größe und Unübersichtlichkeit ähnliches erwartet und so waren meine Erlebnisse umso positiver.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s