Es ist Zeit Salz in die Wunde zu streuen

Vor ein paar Wochen war ich mit meiner Großtante im Wald unterwegs und habe versucht, mich mit ihr über Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Veganismus, Moral und Ethik zu unterhalten. Meine Großtante ist über 60, fährt wenig Auto, isst kaum Fleisch, aber ständig Milch- und Käseprodukte. Sie findet diese Themen total spannend, trotzdem läuft ihr Fernseher praktisch rund um die Uhr, sie hat sich noch nie Gedanken darüber gemacht, wie Dinge, die sie konsumiert hergestellt wurde, hält Bio für einen Trend und ist der Meinung, Menschen hätten das Recht, Tiere zu halten, zu töten und dann natürlich auch zu essen. Sie respektiert, dass ich kein Fleisch essen, keine Milch trinken und kein Leder tragen möchte und schenkt mir trotzdem Strümpfe mit Angorawolle mit den Worten, ich solle im Winter keine kalten Füße bekommen und alles Andere halte ja nicht so warm.

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Ich bin eigentlich ein ziemlich toleranter Mensch, versuche, vor allem Menschen, die ich gerne habe, keine Vorwürfe zu machen und stattdessen, Argumente, die tatsächlich auf Unwissenheit fußen, durch Tatsachen auszumerzen. Ich weiß, dass keiner sich von jetzt auf gleich ändern kann und dass Menschen sich in verschiedenen Bereichen mit unterschiedlichem Tempo verändern. Mir ist bewusst, dass ich niemandem vorschreiben kann, wie er oder sie zu leben, was er oder sie zu essen und wie viel oder wenig er oder sie zu konsumieren hat.

Aber irgendwann in diesem Gespräch meinte meine Großtante: „Mir gefällt auch nicht, wie Tiere heute in der Massentierhaltung gehalten werden. Aber manche Menschen können sich das „gute“ Fleisch einfach nicht leisten. Du musst ja kein Fleisch essen, aber du darfst Andere auch nicht dafür verurteilen, denn die Menschen haben das schon immer getan.“

Das war der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass es reicht.

Die Menschen haben schon immer Fleisch gegessen. Vor einigen hundert Jahren haben Menschen andere Menschen als Sklaven gehalten. Vor gar nicht allzu langer Zeit haben Männer ihre Frauen geschlagen. Vor wenigen Jahrzehnten haben Menschen andere Menschen vergast. Einige Generationen vor uns durfen Frauen nicht zur Wahl.

Zeiten ändern sich.

Nur weil Menschen etwas tun, nur weil etwas „normal“ und gesellschaftlich akzeptiert ist, heißt es nicht, dass diese Sache (moralisch oder ethisch) richtig ist.

Es gibt (leider) Länder auf dieser Erde, und ich habe das Gefühl auch Gegenden hier in Deutschland, in denen rassistische Äußerungen, fremdenfeindliches Verhalten und offensichtliche Diskrimminierung überall und jederzeit praktiziert wird. Was es trotzdem nicht besser oder richtiger macht.

Es gibt Menschen auf dieser Welt, die ihren vollen Kleiderschränke Monat für Monat mit immer mehr und mehr, unter schrecklichen Bedingungen hergestellten Fast Fashion Teilen überladen und gleichzeitig solche, die von einer Schale Reis am Tag (über)leben. Das macht es aber weder akzeptabel, noch erträglich.

Es gibt Länder, in denen es vollkommen normal ist, Insekten, Hunde und Katzen zu töten, um sie zu essen, was Menschen, die in unseren Breitengraden leben, als pervers und abartig empfinden und gleichzeitig quälen und töten wir Schweine, Kühe und Hühner im großen Stil auf brutalste und unmenschlichste Art und Weise.

So weiterzumachen, wie wir es heute tun, bedeutet, eine Weltanschauung zu etablieren, die wir 1945 hinter uns gelassen haben. So weiter zu machen wie bisher bedeutet, dass immer mehr Menschen ihre Heimat durch Hunger und Klimakatastrophen verlassen müssen. Weiterhin so zu leben, wie wir es heute tun, wird zwangsläufig dazu führen, dass alle Erdbewohner (und damit auch wir, Bürger der Industrienationen) mit trockenen Sommern, Überschwemmungen, verschmutzten Gewässern und Krankheiten konfrontiert werden.

Zu warten, bis wir Atemmasken tragen müssen, um uns vor der Feinstaubbelastung zu schützen, bis unsere Böden so ausgezehrt und überdüngt sind, dass keine Pflanzen mehr in ihnen wachsen und die Gewässer so vergiftet sind, dass sauberes Trinkwasser zum Luxusgut wird, ist keine Alternative.

Für mich nicht und auch sonst für Niemanden. In unseren Grundrechten steht das Recht auf eine eigene Meinung. Ich darf verurteilen, was und wen ich möchte. Und ich verurteile Jeden, dem egal ist, wie er diesen Planeten für die Generationen nach uns hinterlässt.

 

 

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