[MEIN MONAT APRIL] Von Kleinstadtkoller, Wettkampfvorfreude und der Sache mit dem Vergleichen

April, April der macht was er will. Und der April dieses Jahres ist offensichtlich ganz besonders launisch.

Von Dauerregen, über Schneestürme und Hagelschauer bis hin zu strahlendem Sonnenschein und 25 Grad war so ziemlich alles dabei.

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Nicht ganz so wechselhaft, aber trotzdem genausos schön war mein Monat. Ein knappes halbes Jahr nach der Rückkehr in die Kleinstadt, nach Jahren in Karlsruhe, Friedrichshafen und Berlin – merke ich so langsam, warum es mich damals in die Metropole gezogen hat.

Und obwohl ich verhältnismäßig viel unterwegs bin, sowohl beruflich als auch privat und ich ziemlich problemlos und spontan zu Freunden nach Karlsruhe, Freiburg, München oder Berlin reisen kann, fiel mir Anfang des Jahres ein bisschen die Decke auf den Kopf. Abhilfe haben einige feierreiche Abende in Karlsruhe und viele sonnige Tage in Freiburg geschaffen und nach einem geplanten Kurztrip im Mai in meine letzte Heimat sollte die Sache dann auch geklärt sein.

 

Lauftechnisch war der April dagegen ein wirklich großartiger Monat. Langsam aber sicher stellt sich der Pre-Wettkampf-Modus ein und sorgt für den nötigen Fokus, der in den letzten Wochen vor einem Saisonhighlight nötig ist. Lange Läufe werden  locker und entspannt durchgezogen, beim Tempotraining wird richtig auch mal durchgebissen und das Krafttraining hat deutlich an Relevanz gewonnen.

In Sachen Lauftempo hat mir aber etwas ganz Anderes den letzten Kick gegeben. Obwohl ich auch an meinen früheren Wohnorten durchaus einige Trainingsparter zur Verfügung hatte, habe ich in diesem Monat zum ersten Mal den Luxux eines Pacemakers in Anspruch genommen. Ein guter Freund, der normalerweise natürlich deutlich schneller rennt als ich, hat bei einigen Tempoläufen den Hasen für mich gespielt und so dafür gesorgt, dass ich auch das sechste Intervall noch in der vorgegebenen Pace laufe.

Und so sehr ich auch die Einsamkeit bei Langstreckenläufen und den inneren Kampf im Kopf genieße, so schön ist es auch, sich manchmal einfach an den Rücken eines anderen Läufers zu kleben und sich ziehen zu lassen.

Eine Sache, die mich in der letzten Zeit, genau wie das Fernweh, ebenfalls emotional immer wieder beschäftigt, ist die Sache mit dem Vergleichen und die damit einhergehenden Selbstzweifel, die zwar gefühlt irgendwie Jede und Jede hat, über die aber kaum jemand so richtig gerne sprechen mag.

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Ich habe deshalb genau das in den letzten Wochen getan: Ziemlich viel darüber gesprochen. Mit Freunden, Menschen anderer Generationen und mit Menschen, die damit ziemlich offen umgehen.

Ob es an meinem Alter liegt, dass mich ständig und immer mit Allem und Jedem vergleiche, oder daran, dass ich win bisschen zu viel auf Social Media abhänge, da bin ich mir immer noch unschlüssig.

Womit ich mir aber sicher bin, ist, dass „darüber reden“ auf jeden Fall hilfreich ist.

Denn was man oft vergisst, ist, dass echt Jeder und Jede mit irgendeinem (oder auch mehreren Aspekten) in ihrem oder seinem Leben nicht ganz so happy ist.

Was bei anderen vielleicht Körperlichkeiten, „ich bin zu dick, zu dünn, meine Knie sind zu knubbelig und meine Ohren zu groß“, oder ihre Freizeitgestaltung à la „ich verbringe viel zu viel Zeit mit Netflix und Co. und kriege irgendwie nichts gebacken“ ist, sind bei mir in erster Linie die fehlende rote Linie im Karriereweg, mein offensichtlich beziehungshemmender Egoismus und charakterliche Unzulänglichkeiten, die dafür sorgen, dass mich viele Dinge deutlich mehr aus der Bahn werfen, als das nötig wäre.

 

Dass Viele in diesen Aspekten noch viel „schlechter“ sind, als ich, hat mir übrigens gar nichts gebracht.

Geholfen hat mir vor allem die Erkenntnis, dass ich (und natürlich auch sonst niemand) aus nur einer Facette der Persönlichkeit besteht. Jede und Jeder wird durch die Kombination aus vielen verschiedenen Charaktereingenschafen, Äußerlichkeiten und den eigenen Verhaltensweisen charakterisiert.

Ich bin nicht egoistisch und Punkt. Ich bin nicht Unternehmerin und fertig. Und ich bin auch nicht emotional instabil und das war`s.

Ich bin Sportlerin, Unternehmerin, Freundin, emotional, unflexibel, superloyal, egoistisch, konsequent, interessiert, habe einen sehr starken moralischen Kompass, eine (manchmal zu) festgelegte politische Meinung und noch so viel mehr.

In jedem dieser Punkte gibt es Menschen, die viel weniger tun und solche, die viel „besser“ sind. Aber, dass es eine Person gibt, die durch genau dieselbe Komabination aus meinen Charaktereigenschaften und Interessen definiert wird, ist schon eher unwahrscheinlich.

Vergleiche sind deshalb in den meisten Fällen eher sinnlos. Und vielleicht sollten wir das öfter mal einfach sein lassen.

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